Samstag, 14. August 2010
Auf den Spuren der Inkas
Mittwoch, 11. August 2010
Cusco - die assimilierte Stadt
Dann kamen die Spanier. Um 1520 schwappte eine von den ersten Europaeern eingeschleppte Pockenepidemie von Mittelamerika ins Inkareich ueber, an der viele der dem Krankheitserreger schutzlos ausgelieferten Inkas zu Grunde gingen. So auch der beruehmte Inka-Koenig Huayna Capac. Er hinterliess einen legitimen Sohn in Cusco (Huascar), bevorzugte wohl aber seinen von einer Kokubine in Quito geborenen Sohn Atahualpa. Die Folge war ein bitterer Buergerkrieg, der das Inkareich spaltete.
Die 180 Spanier, die 1532 im heutigen Peru landeten, fanden ein geschwaechtes und zermuerbtes Land vor. Inspiriert von der hinterhaeltigen Gefangennahme des Aztekenherrschers Montezuma durch Hernan Cortes wenige Jahre zuvor, gelang es den Spaniern, den aus dem Buergerkrieg siegreich hervorgegangenen Atahualpa in einen Hinterhalt zu locken und als Geisel zu nehmen. Anschliessend marschierten die Konquisatoren nach Cusco und setzten den Marionetten-Herscher Manco Capac ein. Atahualpa wurde bereits vorher von den spanischen Reitern hingerichtet - allerdings erst nachdem sie einen kompletten Raum voller Gold und zwei Raeume voller Silber als Loesegeld fuer das Inka-Oberhaupt eingestrichen hatten.
Der Widerstand der Inkas sollte noch weitergehen, dieser Streich war aber ohne Frage der Anfang vom Ende. Insgesamt machten die Konquisatoren dank ihrer Feuerwaffen, ihren Schlachtroessern (Pferde waren in Suedamerika zu diesem Zeitpunkt komplett unbekannt) und ihren Kampfhunden mit zahlenmaessig weit ueberlegenen Inkaheeren kurzen Prozess.
Die Kathedrale San Cristobal, die auf den Fundamenten des Sonnentempels (dunkle Mauer rechts unten) erbaut wurde
In den folgenden vier Jahrhunderten wurde Cusco zur abgelegenen Andenstadt mit huebschen Mauerresten aus der Inkazeit und imposanten katholischen Kathedralen. Ende des 19. Jahrhunderts wurden dann immer mehr der teils vergessenen Inkafestungen in abgelegenen Bergtaelern rund um Cusco entdeckt, darunter auch das 75 km entfernte Machu Picchu. 1983 wurde diese groesstenteils erhaltene Inkastadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklaert.
Dann kamen die Touristen. Der Strom Schaulustiger nahm in den 90er Jahren bestaendig zu. Heute besuchen jedes Jahr hunderttausende Auslaender Cusco und Machu Picchu. Sie veraenderten das Stadtbild von Cusco vermutlich in aehnlichem Masse, wie es einst die Spanier taten. Die negativen Folgen dieser erneuten Assimilierung habe ich mir ja bereits an anderer Stelle von der Seele geschrieben.
Cusco bei Nacht, man beachte den Waldbrand am Horizont
Das Erstaunliche an Cusco ist derweil, dass es trotz diesem offensichtlichen Mangel an Authenzitaet irgendwie zu gefallen weiss. Vielleicht deswegen, weil man hier den Uebergang einer Kultur in eine andere (so verurteilenswert er auch sein mag) auf Anschaulichste nachvollziehen kann. Die Stadt ist ein Inkaheiligtum, das von den Tentakeln des Katholizismus ueberwachsen wurde. Dieser ungleiche Hybrid wurde schliesslich in dem Bestreben, Scharen von Touristen zu bespassen, in hoechstem Masse verwestlicht und kommerzialisiert.
Heute zeugen nur noch die ueberal sichtbaren Mauerreste aus Inkazeiten, auf die koloniale Gebaeude oder Kirchen gebaut wurden, von dem Cusco vergangener Jahrhunderte. Bestimmt wird das Stadtbild laengst von Hostal- und Restaurant-Fassaden, zwischen denen hellhaeutige Touristen mit Lama-Strickmuetzen und Sonnenbrillen hin und her spazieren. Dennoch blickt man ab und zu vorbei an dem Touristenkorsett und bekommt eine Ahnung davon, wie es frueher ausgesehen haben koennte.
Losgeloest von solchen Ueberlegungen besticht die Stadt, in einem Tal auf 3.400 m Hoehe gelegen, durch hochsommerliche Temperaturen und strahlend blauen Himmel - Tag fuer Tag (zumindest waehrend der Trockenzeit). Nachts wird es jedoch bitterkalt, sodass Cusco wohl eine der wenigen Staedte ist, in der man einen Sonnenbrand und eine Erkaeltung an ein und demselben Tag kriegen kann.
Wir blieben drei Tage in Cusco. Hoehepunkt unseres Aufenthalts war sicherlich die Wanderung zu den Ruinen der Festung Saqsaywamán, die einst als Bollwerk gegen Eindringlinge ueber der Stadt errichtet wurde. Auch hier zeigte sich wieder der schizophrene Charakter Cuscos: wenige Meter von den Mauerresten entfernt thront eine zehn Meter hohe, aus weissem Stein gefertigte und nachts hell beleuchtete Jesus-Statue ueber der Stadt.
Waehrend dem Aufstieg erlebte die K. derweil ein Highlight persoenlicher Art: zwei 19-jaehrige Maedchen aus Germany wollten sich unbedingt mit ihr fotographieren lassen, da sie ihr eine sehr grosse Aehnlichkeit mit der Schauspielerin Kirsten Steward attestierten (die alle nach 1990 Geborenen als Heldin der Twillight-Saga kennen). Das ist der K. nicht zum ersten Mal passiert, aber zum ersten Mal im Ausland und zum ersten Mal mit Photo-Anfrage.
Dienstag, 10. August 2010
Cusco - eine Polemik
Spazieren Sie durch mit Inkasteinen gepflasterte Gassen und staunen Sie zusammen mit Dutzenden anderen Touristen ueber die Wollmuetzen verkaufenden Einheimischen am Strassenrand, die sogar Englisch sprechen. Versaeumen Sie nicht, ein Photo mit den eigens dafuer aus der Schule ausgeschiedenen, trachtentragenden Kindern mit Lama-Baby auf dem Arm zu machen. Nur ein Dollar!
Speisen Sie ueber europaeischem Preisniveau in Restaurants, an deren Tuer eine schick dekorierte Speisekarte prunkt - auch in deutscher Sprache! Vermissen Sie keine Sekunde lang das Essen aus der Heimat und kaufen Sie im Supermarkt direkt am Plaza de Armas ein. Fuenf Scheiben Schwarzbrot fuer nur fuenf Euro!
Kaufen Sie eines der mit 50$ spottbiligen Touristen-Kombitickets und freuen Sie sich auf auf einen pausenlosen Museen- und Ruinen-Marathon, waehrend dem Sie sich ganz bestimmt auf all die Details zwischen den Panoramaphotos einlassen koennen.
Fahren Sie im klimatisierten Touristenbus ins Heilige Tal der Inkas und schiessen Sie mit Ihrer nagelneuen Spiegelreflex-Kamera bunte Bilder vom Markt in Pisac. Aergern Sie sich nicht, wenn Sie es nicht hinbekommen, ein Photo zu machen, auf dem kein anderer Tourist ist. Dafuer koennen Sie hier auf Englisch feilschen!
Erleben Sie waehrend Ihres Aufenthalts den ganzen Zauber Perus, der mindestens so authentisch ist, wie das Leben der Schaufensterpuppen zuhause. Fliegen Sie schliesslich in die Heimat und erzaehlen Sie allen, Sie waren in Peru und Sie haben alles gesehen; das Leben, die Menschen und Machu Picchu.
Donnerstag, 5. August 2010
Ayacucho und die Vergangenheit
2.) Nicht unweit der Wari-Ruinen, am Rande des kleinen Doerfchens Quinua, wurde ein weiteres Stueck peruanischer Geschichte geschrieben: auf einem Huegelkamm, der das Tal von Ayacucho ueberblickt, besiegten im Jahr 1824 5.000 Peruaner 8.000 Royalisten und besiegelten damit die Unabhaengigkeit Perus vom spanischen Imperium. Heute erinnert ein 40 Meter hoher Obelisk an die ins peruanische Nationalgedaechtnis eingegangene Schlacht. Auch beim Gang ueber das ehemalige Schlachtfeld, auf dem heute vertrocknetes Gras vom Wind durchstreift wird und Kinder Drachen steigen lassen, konnte ich mir regelrecht ausmalen, wie auf diesem abgeschiedenen Flecken Erde einst gelitten und getoetet wurde.
Samstag, 31. Juli 2010
Huancayo
Wir befanden uns auf dem Weg zu dem Mini-Canyon Torret Torret, der einen ausserhalb der Stadt beginnenden Berghang durchpfluegt. Der Wind hat hier im Laufe der Jahrtausende eine Schneise in den Berg gefressen und einige Fels-Saeulen stehenlassen. Oben bei den roetlichen Felsformationen angekommen, genossen wir die Aussicht auf diese gegensaetzliche Stadt, die sich unter uns im Dunst der Hochlandsteppe ausbreitete.
Turmartige Felsformationen
Die Kathedrale von Huancayo
Vor unserem Ausflug zu den Felstuermen hatten wir noch eine Prozession im Zuge des Nationalfeiertages begleitet: Maenner mit Hueten, die auf Blasinstrumenten die Geraeuschkulisse fuer die Taenze ihrer Trachten-tragenden Ehefrauen liefern und dabei eine durch und durch ansteckende Froehlichkeit verspruehen. Interessant in diesem Zusammenhang war auch, dass so gut wie jedes Haus an dem wir an diesem Tag vorbeikamen, die peruanische Nationalflagge gehisst hatte - offenbar ist Patriotismus hier Buergerpflicht.
Gestern dann besuchten wir einen grossen Markt, auf dem riesige Ferkel ueber offener Flamme gegrillt und Lama-Schoenheits-Wettbewerbe abgehalten wurden. Unser anschliessender Besuch der einige Kilometer entfernten Ruinen der Waki-Kultur (die von den Inkas verdraengt wurden) verlief jedoch etwas enttaeuschend, da nicht viel mehr als ein quadratischer Mauerrest von der einstigen Siedlung uebrig geblieben ist.
Heute schliesslich wollten wir eigentlich Huancayo Richtung Huancavelica verlassen. K. hat jedoch das zweite unumgaengliche Anpassungsstadium jeder Suedamerika-Reise erreicht (nach der Hoehenkrankheit) und sich den Magen verdorben. So haben wir unseren Aufenthalt hier etwas verlaengert. Bald geht es dann aber weiter Richtung Sueden, wohl direkt ins huebsche Andenstaedtchen Ayacucho, das als Uebergangsstation nach Cusco und Arequipa dienen soll.